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Corona-Regeln in Bayern: Münchener Clubbetreiber fordern Lockerungen

In Bayern und München steigen die Corona-Zahlen seit Juli an. Nach Ankündigungen für weitere Einschränkungen schlagen Clubbetreiber Alarm und fordern Lockerungen.

Die Clubs in München leiden unter den Einschränkungen. Ausgelassen feiern und tanzen ist nicht mehr möglich. (Symbolbild)
Die Clubs in München leiden unter den Einschränkungen. Ausgelassen feiern und tanzen ist nicht mehr möglich. (Symbolbild)
Angelika Warmuth/dpa

Wie insgesamt in Deutschland steigen auch in Bayern und seiner Landeshauptstadt München die Corona-Fallzahlen seit Juli an. Clubbetreiber schlagen Medienberichten zufolge Alarm und fordern ein Ende der Einschränkungen.

Die Landeshauptstadt Bayerns hatte Einschränkungen des öffentlichen Lebens beschlossen. In Bayern ist sie damit nicht die erste. Denn die Stadt Rosenheim hat am Wochenende den 7-Tage-Grenzwert bei den Corona-Infektionen überschritten und reagierte bereits mit Beschränkungen des öffentlichen Lebens. Doch wie ist die Lage in der bayerischen Landeshauptstadt München? Werfen wir zunächst einen Blick auf die Rahmenbedingungen:

Corona-Zahlen und Neuinfektionen: Ab wann drohen Einschränkungen?

Ab einer Marke von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner über sieben Tage gilt in Bayern eine Frühwarnstufe. Andere Bundesländer haben andere Grenzwerte. Der 7-Tage-R-Wert gibt an, wie viele von 100.000 Einwohnern sich in den letzten sieben Tagen mit dem Coronavirus infiziert haben. Härtere Maßnahmen wie beispielsweise ein Shutdown werden erst bei einem Wert von 50 ergriffen. Auf diese bundesweite Grenze hatten sich die Bundesländer und die Bundesregierung Anfang Mai geeinigt. Ab diesem Wert ist Bayern verpflichtet, sofort weitreichende Beschränkungen zu verhängen. Sind die Infektionen klar abgrenzbar, etwa in einem Pflegeheim, gelten die Beschränkungen nur für diese Einrichtung.

Corona in München: Clubbetreiber schlagen Alarm

Die Münchner Clubbetreiber machen sich Sorgen um ihre Existenz. In einem Interview gegenüber der Bild melden sich Franz Rauch (55, „P1“), Hans-Georg Stocker (54, „Backstage“) und Mathias Scheffel (55, „Pacha“) zu Wort. „Die einzige Hoffnung, die wir im Moment haben, ist ein Impfstoff. Sonst sind wir bald alle pleite,“ sagt Rauch. Sie fordern eine Testphase von vier Wochen mit einer Öffnung der Clubs. Unkontrollierte Exzesse am Gärtnerplatz und anderen Hotspots habe es bei geöffneten Clubs nicht gegeben - so die Betreiber. Mathias Scheffel will sogar den Rechtsweg beschreiten, um seinen Club zu retten. Er verklagt einige Ministerien Bayerns.

Reiserückkehrer und private Feiern: Stadt Rosenheim überschreitet Corona-Grenzwert

In Bayern war Rosenheim am Wochenende trauriger Vorreiter: Die Stadt hat am Wochenende den 7-Tage-Grenzwert bei den Corona-Infektionen überschritten und reagiert mit Beschränkungen des öffentlichen Lebens. Der Wert habe am Wochenende bei 53,7 Neuinfektionenbinnen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner gelegen, teilte die Stadt am Montag mit. Damit ist nicht nur der Frühwarnwert für Bayern von 35 Neuinfektionen überschritten, sondern auch die von Bund und Ländern vereinbarte Schwelle für verschärfte Beschränkungen des öffentlichen Lebens.

Corona-Zahlen: Stadt Rosenheim führt neue Beschränkungen ein

Die Stadt reagierte, sodass nun unter anderem stärkere Beschränkungen für private Veranstaltungen und für Gruppen in der Öffentlichkeit gelten. Im Detail:

Etwa dürfen nur noch maximal 50 Menschen an nicht öffentlichen Veranstaltungen in geschlossenen Räumen teilnehmen, unter freiem Himmel sind höchstens 100 Leute zugelassen.

In der Öffentlichkeit dürfen sich nur noch Mitglieder eines Hausstands oder maximal fünf Menschen in Gruppen aufhalten.

Reiserückkehrer aus Risikogebieten werden zu einem zweiten Test nach fünf bis sieben Tagen verpflichtet. Er ist Voraussetzung für die Aufhebung der häuslichen Quarantäne. Diese Anordnung gilt für Stadt und Landkreis Rosenheim.

Allen Reiserückkehrern aus dem Ausland, vor allem aus südosteuropäischen Ländern wird zudem dringend empfohlen, das kostenlose Testangebot in Anspruch zu nehmen.

RKI-Dashboard: So sehen die Corona-Zahlen für München aus

Laut Dashboard des RKI liegt auch München mit einem 7-Tage-R-Wert von 30 nahe an der Grenze zum Frühwarnwert. So sehen die Zahlen für München aus (Stand 27.08.20, 0:00 Uhr):

Zahl der Infizierten: 8417

Veränderung zum Vortag: +99

Zahl der Toten: 223

Veränderung zum Vortag: 0

Fälle pro 100.000 Einwohner: 572,0

Fälle letzte 7 Tage pro 100.000 Einwohner: 30

Corona in Bayern: Diese Landkreise kratzen am Frühwarnwert

Neben der in ganz Deutschland geltenden Grenze von einem 7-Tage-R-Wert von 50, gibt es in verschiedenen Bundesländern unterschiedliche Grenzwerte. In Bayern wird der Grenzwert mit Frühwarnwert bezeichnet.er liegt bei 35.

Diese Städte und Landkreise sind nah am Überschreiten des Grenzwerts:

Kreis Kelheim (31,9)

Kreis Ebersberg (28,8)

Stadt Ingolstadt (27,7)

Stadt Straubing (27,2)

Dort drohen aufgrund der erhöhten Werte von Neuinfektionen neue Beschränkungen.

Corona in München: Alkoholverbot bei steigenden Zahlen beschlossen

Aufgrund der hohen Zahl an Neuinfektionen in München wollen Politiker mit Maßnahmen gegensteuern. Steigen die Corona-Zahlen auf den kritischen Wert von 35 Infizierten pro 100.000 Einwohner über einen Zeitraum von sieben Tagen, ist der Verkauf von Alkohol ab 21 Uhr verboten, teilte die Stadt am Dienstag mit. Zudem sei der Konsum von Alkohol im öffentlichen Raum ab 23 Uhr dann nicht mehr erlaubt.

Die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen lag in der Landeshauptstadt am Montag bei knapp 30. Die Zahlen waren zuletzt stetig gestiegen. Sollte diese Entwicklung anhalten, wäre mit einem Erreichen der nun ausgegebenen Schwelle für ein Alkoholverbot in den kommenden Tagen zu rechnen.

Die Entscheidung sei ihnen allen nicht leichtgefallen, teilte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) mit. „Es geht aber in Zeiten der Pandemie zuallererst um den Schutz der Bevölkerung und darum, noch wesentlich belastendere Maßnahmen möglichst zu vermeiden.“

Corona in München: „Angesichts der Zahlen müssen wir handeln“

Stadtrat Christian Vorländer (SPD) teilte zum Beschluss mit, sie hätten Verständnis für alle, die sich derzeit unter freiem Himmel treffen wollten. „Aber angesichts der steigenden Corona-Zahlen müssen wir handeln.“

In den vergangenen Wochen war es an zentralen Plätzen in der Stadt und an der Isar regelmäßig zu ausufernden nächtlichen Feiern gekommen. Ein Schwerpunkt lag am Gärtnerplatz. Die Stadt hatte deshalb einen runden Tisch eingerichtet, auch da die Klagen der Anwohner immer lauter wurden. Der Beschluss fiel nun in Absprache mit den Stadtratsfraktionen.

Corona in Bayern: Söder unterstützt Münchens Pläne für Einschränkungen

Rückendeckung kam nach von Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Er begrüßte die Entscheidung der Stadt München. Der Oberbürgermeister habe seine volle Unterstützung, schrieb er am Dienstag auf Twitter. „Leider nehmen Unvernunft und Leichtsinn zu.“

Auch in anderen Städten gibt es bereits Alkoholverbote. So ist es in Bamberg und Nürnberg in Teilen der Altstadt verboten, an den Wochenenden abends Alkohol zum Mitnehmen zu verkaufen. In Augsburg schließt der Verkauf von Alkohol früher als sonst und Glasflaschen sind laut einem Sprecher in der Innenstadt verboten.