Robert Habeck sitzt in einer Küche, in schwarzem Pulli und blickt in die Kamera. „Ich bin hier bei Freunden in der Küche“, beginnt das fast neunminütige Video auf YouTube, in dem Habeck seine Kanzlerkandidatur für die Grünen offiziell macht. Am Freitagmorgen wurde bereits bekannt, dass der Vizekanzler seine Kandidatur erklären würde.
„Ich bin bereit, meine Erfahrung, meine Kraft und meine Verantwortung anzubieten. Wenn Sie wollen, auch als Kanzler. Aber das ist nicht meine, das ist Ihre Entscheidung. Nur Sie können das entscheiden“, sagt Habeck, der nach eigenen Angaben in dem Film am Küchentisch von Freunden sitzt.
Habeck spricht die Krisen und Nachrichten der vergangen Monate und Woche an, auch über den Bruch der Koalition. „Eine Koalition, die ich als Vizekanzler, als Minister mit verantwortet habe. Deren Entscheidungen und deren Streit sicher an etlichen Küchentischen für Debatten gesorgt haben.“
Warnung vor dem „Spaltpilz des Populismus“
An einem Küchentisch wie diesem habe er sich vor 22 Jahren auch dazu entschieden, den Grünen beizutreten, weil er sich kümmern und einbringen wollte. Seitdem habe sich die Welt drastisch verändert – und er frage sich, welchen Beitrag er leisten kann, um Sorgen zu lindern. „Mich treibt an, was vielleicht auch Sie, auch Euch antreibt: dass wir friedlich zusammen leben, in Freiheit“, sagt Habeck. Im Video warnt Habeck vor dem „Spaltpilz des Populismus“. „Wir dürfen nicht davon ausgehen, unsere liberale Demokratie sei auf ewig garantiert. Wir müssen um und für sie kämpfen. Und dieser Kampf ist nicht irgendwann, er ist jetzt.“ Er wolle nicht hinnehmen, dass Angst und Zorn die Menschen aufzehren, sondern für eine Gesellschaft einstehen, die Tatkraft und Solidarität miteinander verbindet. Daher kandidiere er noch einmal.
Die Chancen, tatsächlich ins Kanzleramt einzuziehen, sind für Habeck derzeit gering. In Umfragen liegt seine Partei aktuell bei schlappen 9 bis 11 Prozent.
Habeck betont, dass er die Umfragen kenne und wisse, dass Vertrauen kaputtgegangen ist. Einen Führungsanspruch muss und will er sich erarbeiten. Er lädt die Bürgerinnen und Bürger zu Gesprächen an, etwa an einem Küchentisch. Es müsse viel in Deutschland investiert werden, und die schwierigen Jahre seien noch nicht vorbei. „Ich verspreche niemandem das Blaue vom Himmel. (...) Aber ich verspreche, die Dinge offen und ehrlich anzusprechen und den Antworten nicht auszuweichen.“
Keine Gegenkandidaten innerhalb der Partei
In der kommenden Woche möchte der Ex-Parteichef der Grünen beim Parteitag in Wiesbaden nominiert werden. Aussichtsreiche Gegenkandidaten gibt es nicht. Die Kandidatur war seit Monaten ein offenes Geheimnis.
Seit dem Vortag ist Habeck wieder als Parteipolitiker in sozialen Medien präsent. Zuletzt trat er dort als Bundeswirtschaftsminister auf, mit Konten, die von Mitarbeitern des Hauses gepflegt wurden. Für den Wahlkampf für die Grünen darf er diese staatlichen Ressourcen nicht nutzen.