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Merz und Söder geben Minister bekannt

Ein Topmanager als Digitalminister und zwei Mitglieder aus Baden-Württemberg

Die Namen der Minister von CDU und CSU in der künftigen Regierung wurden mit Spannung erwartet. Jetzt sind einige Überraschungen dabei – so soll der Chef von MediaMarkt-Saturn Digitalminister werden.

Karsten Wildberger ist Chef von Ceconomy, des Mutterkonzerns der Elektronikmarktketten Media Markt und Saturn, und soll in der künftigen Regierung das neu geschaffene Ressort für Digitalisierung und Staatsmodernisierung übernehmen.
Karsten Wildberger ist Chef von Ceconomy, des Mutterkonzerns der Elektronikmarktketten Media Markt und Saturn, und soll in der künftigen Regierung das neu geschaffene Ressort für Digitalisierung und Staatsmodernisierung übernehmen.
Oliver Roesler oro-Phot/CECONOMY AG/dpa

Die Besetzung des künftigen Kabinetts der schwarz-roten Regierungskoalition wurde mit Spannung erwartet – einige Namen waren bereits im Vorfeld durchgesickert. Jetzt steht die Kabinettsliste der CDU für die künftige schwarz-rote Bundesregierung – und es ist eine faustdicke Überraschung dabei. Neben dem voraussichtlichen Kanzler Friedrich Merz (CDU) schicken die Christdemokraten vier Minister und drei Ministerinnen an den Kabinettstisch, wie die CDU in Berlin mitteilte. Merz stellte die Namen während einer Präsidiumssitzung vor.

Mit diesem Team will Merz Deutschland Deutschland regieren:

Thorsten Frei: Engster Merz-Vertrauter wird Kanzleramtschef

In den Ampel-Jahren ist der 52-Jährige als Manager der Unionsfraktion einer der wichtigsten Vertrauten von Merz geworden. Er gilt als akribischer Arbeiter und in so gut wie allen wichtigen politischen Themen sattelfest. Seit 2013 sitzt der eloquente Jurist im Bundestag, er ist gefragter Gast in Talkshows.

Wird Kanzleramtschef: Thorsten Frei (CDU).
Wird Kanzleramtschef: Thorsten Frei (CDU).
Christophe Gateau/dpa

Im Kanzleramt soll Frei künftig für seinen Chef Fallstricke aus dem Weg räumen, einen reibungslosen Regierungsablauf sichern und Kontakt zu den Ländern halten. Kritiker bemängeln, dem verheirateten Vater dreier Kinder fehle Regierungserfahrung. Das politische Handwerk hat Frei in seinem Heimatland gelernt: Von 2002 bis 2004 war er Regierungsrat im Staatsministerium Baden-Württemberg, von 2004 bis 2013 Oberbürgermeister von Donaueschingen.

Johann Wadephul: Norddeutscher mit Faible fürs Internationale

Es wirkte schon länger so, als würde sich der 62-Jährige für die Nachfolge von Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) warmlaufen. Zuletzt besuchte er die Außenminister Frankreichs, Polens und deren Kollegen aus Italien und Großbritannien. Mit dem gebürtigen Husumer und verheirateten Vater dreier Kinder stellt die CDU erstmals seit fast 60 Jahren wieder den Außenminister.

Solle Außenminister werden: Johann Wadephul (CDU).
Solle Außenminister werden: Johann Wadephul (CDU).
ODD ANDERSEN/AFP

Seit 2009 sitzt der Jurist und Ex-Zeitsoldat im Bundestag, er gilt als Vertrauter von Merz. Dieser dürfte hoffen, im Gleichklang mit Wadephul Außenpolitik machen zu können - anders als bei der Ampel, wo sich Baerbock gerne mit einem eigenständigen Kurs von Kanzler Olaf Scholz (SPD) absetzte. Privat bezeichnet sich der Schleswig-Holsteiner als Familienmensch - er hat seine Schulfreundin geheiratet.

Karsten Wildberger: MediaMarktSaturn-Chef als erster Digitalminister

Mit Karsten Wildberger übernimmt ein Top-Manager das neue Digitalministerium. Als Vorstandschef des Ceconomy Konzerns (Düsseldorf) und Vorsitzender der Geschäftsführung der Media-Saturn-Holding mit rund 1000 Märkten in vielen Ländern bringt der 56-Jährige einschlägige Praxiserfahrung mit. In den vergangenen Jahren gehörte die digitale Transformation in Wirtschaft und Unternehmenswelt zum Kern seiner Tätigkeiten.

Digitalminister soll der Manager Karsten Wildberger werden.
Digitalminister soll der Manager Karsten Wildberger werden.
Oliver Roesler oro-Phot/CECONOMY AG/dpa

Internationale Führungspositionen bekleidete Wildberger auch bei T-Mobile, Vodafone und beim australischen Telekommunikationsunternehmen Telstar. Von 2016 bis Sommer 2021 war er dann beim Energiekonzern E.ON als Vorstandsmitglied für den digitalen Wandel zuständig. Unter seiner Führung hat Ceconomy als Elektronikmärkte-Betreiber das Online-Geschäft ausgebaut. Wildberg stammt aus Gießen, hat Physik in München und Aachen studiert und auch promoviert. Als Unternehmensberater der Boston Consulting Group hatte er zunächst Unternehmen in verschiedenen Branchen zu Fragen der Strategie und Digitalisierung beraten.

Katherina Reiche: Steile Karriere in Politik und Wirtschaft

Die Nominierung der 51-jährigen Katherina Reiche als Wirtschaftsministerin ist eine Überraschung. 1998 war sie mit 25 Jahren in den Bundestag eingezogen, dem sie bis 2015 angehörte. Sieben Jahre davon war sie Parlamentarische Staatssekretärin, saß auch im CDU-Bundesvorstand. Die geborene Brandenburgerin gilt als selbstbewusst und ehrgeizig - und ist bestens vernetzt.

Als Wirtschaftsministerin vorgesehen: Katherina Reiche (CDU).
Als Wirtschaftsministerin vorgesehen: Katherina Reiche (CDU).
Roland Weihrauch/dpa

Von 2005 bis 2009 war Reiche stellvertretende Chefin der Unionsfraktion. Sie warb für neue Atomkraftwerke und warnte, Deutschland dürfe nicht sehenden Auges in eine Energiekrise hineinlaufen. Die Diplom-Chemikerin wechselte 2015 zum Verband kommunaler Unternehmen, der viele Stadtwerke vertritt. Fünf Jahre später übernahm sie den Vorsitz des Energieversorgers Westenergie.

Der designierte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder ist seit 2009 Mitglied des Bundestags. Der 56-Jährige hat den Wahlkreis Bitburg direkt gewonnen. In der vergangenen Legislaturperiode war der Jurist Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion - und damit Mitglied des Führungskreises um Fraktionschef Merz. Schnieder war daneben unter anderem auch stellvertretendes Mitglied im Verkehrsausschuss. In seiner künftigen Position dürfte er eine Schlüsselrolle haben bei der Umsetzung des riesigen Sondervermögens für Infrastruktur. Ein großer Teil des 500 Milliarden Euro schweren Sondertopfs dürfte in den Verkehr fließen, um marode Brücken und das Schienennetz zu sanieren.

Patrick Schnieder (CDU) soll Bundesverkehrsminister werden.
Patrick Schnieder (CDU) soll Bundesverkehrsminister werden.
Bernd von Jutrczenka/dpa

Nina Warken: Innenpolitikerin auf neuem Feld

Gesundheitsministerin soll überraschend die CDU-Bundestagsabgeordnete Nina Warken werden. An den Koalitionsverhandlungen war sie noch in der Arbeitsgruppe Inneres, Recht und Migration beteiligt. Im Bundestag saß die Parlamentarische Geschäftsführerin der Unionsfraktion auch im Ältestenrat.

Nina Warken (CDU) aus Baden-Württemberg soll Gesundheitsministerin werden.
Nina Warken (CDU) aus Baden-Württemberg soll Gesundheitsministerin werden.
Bernd Weißbrod/dpa

Jahrzehntelange Erfahrungen im Gesundheitswesen wie der scheidende Minister Karl Lauterbach (SPD) hat die Juristin nicht gesammelt. Die 45-Jährige ist CDU-Generalsekretärin in Baden-Württemberg - und Hobby-Tennisspielerin.

Karin Prien: Meinungsstarke Juristin aus dem Norden

CDU-Bundesvize Karin Prien gilt als eine der profiliertesten Bildungspolitikerinnen in der Union. Seit 2017 ist sie Bildungsministerin in Schleswig-Holstein. Sie ist stellvertretende CDU-Landeschefin, seit 2022 zudem stellvertretende Bundesvorsitzende der CDU. Prien ist meinungsstark und scheut keine Debatte.

Gilt als Bildungsministerin als gesetzt: Karin Prien (CDU).
Gilt als Bildungsministerin als gesetzt: Karin Prien (CDU).
Bernd von Jutrczenka/dpa

Vor ihrer Zeit im nördlichsten Bundesland war die Rechtsanwältin sechs Jahre lang Mitglied der Hamburger Bürgerschaft. Prien lebt in Hamburg und hat drei Kinder. Die ehrgeizige Juristin ist leidenschaftliche Köchin. Ihre Familie war vor den Nazis in die Niederlande geflohen. Die 59-Jährige und ihr jüngerer Bruder wurden in Amsterdam geboren.

Dobrindt soll Innenminister werden

Auch CSU-Chef Markus Söder hat parallel die Bundesminister seiner Partei vorgestellt. Demnach soll Alexander Dobrindt Bundesinnenminister werden. Der ehemalige Verkehrsminister im Kabinett Merkel III war bereits länger für diesen Posten gehandelt worden. Er gilt als Schlüsselfigur im Verhältnis von CDU und CSU. Wie Söder im Vorstand den Teilnehmern zufolge sagte, wird er auch Sprecher der CSU-Bundesminister im Kabinett sein.

Alexander Dobrindt (CS) soll Innenminister werden.
Alexander Dobrindt (CS) soll Innenminister werden.
Michael Kappeler/dpa

Demnach wird von der CSU außerdem Dorothee Bär Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt und Alois Rainer neuer Bundeslandwirtschaftsminister.

Neben den Bundesministerinnen und -ministern hat die CDU fünf Staatsminister benannt, die im Kanzleramt und im Auswärtigen Amt tätig sein werden. Der wichtigste Posten ist der des Staatsministers für Kultur und Medien, der an den Verleger und Publizisten Wolfram Weimer geht. Die Personalie gilt als durchaus umstritten und überraschend: Weimer ist in der Kulturszene keine allzu verdrahtete Figur, sondern vor allem eine Medienfigur: Der 60-Jährige, nach eigenen Worten „Verleger, Publizist, Kulturfreund“, war 2003 Gründer des Berliner Magazins „Cicero“, das er bis 2010 leitete. Zuvor arbeitete er als Journalist bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sowie bei den Zeitungen „Die Welt“ und „Berliner Morgenpost“. Nach „Cicero“ war er bis 2012 Chefredakteur des Magazins „Focus“. Anschließend gründete Weimer gemeinsam mit seiner Frau, der früheren FAZ-Journalistin Christiane Götz-Weimer, die Weimer Media Group. Das in Bayern ansässige Unternehmen verlegt mehrere Magazine, darunter „The European“, den „Wirtschaftskurier“, „Markt und Mittelstand“ sowie das Satiremagazin „Pardon“ Kritiker sehen ihn als Vertreter eines eher konservativen Kultur- und Politikbegriffs.

Soll Kulturstaatsminister werden: der Verleger Wolfram Weimer.
Soll Kulturstaatsminister werden: der Verleger Wolfram Weimer.
Thomas Banneyer/dpa

Die türkischstämmige Bundestagsabgeordnete Serap Güler und der Parlamentarier Gunther Krichbaum bekommen Posten im Auswärtigen Amt.

Die kultur- und medienpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Christiane Schenderlein, wird im Kanzleramt für Sport und Ehrenamt zuständig sein. Sie war in den vergangenen Wochen auch als Kulturstaatsministerin im Gespräch.

Für die Zusammenarbeit von Bund und Ländern holt sich Kanzler Friedrich Merz einen der erfahrensten Parlamentarier in Kanzleramt. Michael Meister gehört dem Bundestag seit mehr als 30 Jahren an und war schon Parlamentarischer Staatssekretär im Finanzministerium (2013 bis 2018) und im Bildungsministerium (2018 und 2021).

Die stellvertretende Parteivorsitzende Silvia Breher, die lange als Bundesministerin im Gespräch war, wird nur Parlamentarische Staatssekretärin im Agrarministerium. Weitere Parlamentarische Staatssekretäre der CDU: Christoph de Vries (Innen) und Matthias Hauer (Forschung).