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Grünen-Spitzenkandidat in BW

Fünf kuriose Fakten über Cem Özdemir, die Sie noch nicht kannten

Cem Özdemir will offiziell Grünen-Spitzenkandidat in Baden-Württemberg werden. Diese persönlichen Fakten über ihn sind weniger bekannt – über Monty Python, Wolfgang Petry und Rote Wurst.

Der Landesvater mit seinem politischen Ziehsohn: Ministerpräsident Winfried Kretschmann (rechts) neben Cem Özdemir (beide Bündnis90/Die Grünen). Der Bundesagrarminister hat seine Kandidatur für die Grünen jetzt offiziell bekannt gegeben.
Der Landesvater mit seinem politischen Ziehsohn: Ministerpräsident Winfried Kretschmann (rechts) neben Cem Özdemir (beide Bündnis90/Die Grünen). Der Bundesagrarminister hat seine Kandidatur für die Grünen jetzt offiziell bekannt gegeben.
Stefan Puchner/dpa

Es war über Monate hinweg ein offenes Geheimnis, jetzt hat es Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) offiziell gemacht: Er will Nachfolger seines politischen Ziehvaters Winfried Kretschmann werden und kandidiert für das Amt des Ministerpräsidenten in Baden-Württemberg.

Özdemir steht als Spitzenpolitiker schon lange im Rampenlicht. Bevor er Agrarminister wurde, war er knapp zehn Jahre lang Parteichef der Grünen. Manches über ihn ist aber weniger bekannt. Wofür er bei seinen Mitarbeitern gefürchtet ist, warum er als Sänger wohl eher keine Karriere gemacht hätte – und weshalb der bekennende Vegetarier früher massenhaft Rote Wurst gegessen hat.

Fakt Nummer 1: Er ist berüchtigt für seine Streiche

Wer anfängt, im direkten Umfeld von Cem Özdemir zu arbeiten, wird über kurz oder lang von Kollegen einen wichtigen Tipp bekommen: „Die erste Regel ist: Wenn du mit Cem unterwegs bist, drehe ihm nie den Rücken zu.“ Der Grund ist harmloser, als es im ersten Moment klingt. Özdemir ist berüchtigt für seine Streiche.

Aus Gesprächen mit seinen Mitarbeitern wird deutlich, dass es ihm dabei nicht an Kreativität mangelt. Ein besonderes Faible hat er, so erzählt man sich, für Bierdeckel, die er gerne unbemerkt in der hinteren Hosentasche seiner Mitarbeiter verschwinden lässt.

Doch das zählt noch zu den harmloseren Streichen. Aufmerksam sollten Mitarbeiter auch bei einem gemeinsamen Frühstück mit dem Minister sein. Einem Nebensitzer hat er mal eine in ihre Einzelteile zerlegte Eierschale in dessen Sakkotasche gebröselt. Und seine Bananen hassende Büroleiterin findet – na klar – eine Bananenschale im Aktenstapel.

Schreibtische in seinem Ministerium sind für Özdemir zu einer Art persönlichem Flohmarkt geworden, bestückt mit Dingen, für die er privat offenbar keine Verwendung mehr findet. Eine alte CD mit Schlagern oder ein ganzer Stapel voller Rohlinge, eine Zeichnung aus der Hand eines Kindes, deren Bedeutung auch bei näherem Hinsehen nicht ersichtlich wird – all das landet regelmäßig auf den Arbeitsplätzen seiner Mitarbeiter. Ohne Kommentar. Ohne Kontext.

Fakt Nummer 2: Keine Rede ohne Monty Python

Özdemir spielt nicht nur gerne Streiche, sondern ist auch ein Fan von großen Komikern der Vergangenheit. Sein selbsternanntes Ziel (das er allerdings häufig genug verfehlt): Keine Rede ohne ein Zitat von Monty Python, Groucho Marx oder Stan & Ollie – besser bekannt als Dick & Doof. Als seine Lieblingsszene der anarchischen Briten bezeichnete Özdemir  auf Facebook einmal den Sketch „Die Expedition“.

Ob Özdemir sich bei Grünen-Parteitagen schon einmal an die auf Gegenseitigkeit beruhende Verachtung der  Volksfront von Judäa für die Judäische Volksfront erinnert gefühlt hat, ist nicht übermittelt. Doch Humor ist für den Ober-Realo auch politisch.

Er wünschte sich schon vor über zehn Jahren einen Film der Pythons über den Islam. Erfahrung haben diese mit dem heiklen Thema Religion bereits im 1979 erschienen Klassiker „Das Leben des Brian“ gemacht. Dort wird ein gleichzeitig mit Jesus lebender Mann unfreiwillig als Messias wahrgenommen – und am Ende gekreuzigt. Die Kirche warf den Pythons damals Blasphemie vor, realisiert werden konnte der Film nur durch finanzielle Unterstützung von Ex-Beatle George Harrison. Özdemir verspräche sich von einem ähnlich gelagerten Film über den Islam, dass die im Prinzip humorvolle islamische Welt nicht durch autoritäre Interpretation in den Hintergrund gedrängt werde.

Fakt Nummer 3: Er aß als Teenager nur Rote Wurst und Pommes

Özdemir ist zwar nicht der erste Grüne Agrarminister, aber der erste Vegetarier in diesem Amt. Besonders Hülsenfrüchte haben es ihm angetan. Er hätte gerne früher gewusst, dass „(fast) jedes Gericht mit Kichererbsen köstlich“ sei, sagte Özdemir der „Zeit“.

Als Teenager sah das aber noch ganz anders aus. „Bei mir in der Schule gab es kein Mittagessen, meine Eltern haben beide in der Fabrik geschichtet. Also habe ich mich jahrelang von Pommes und Roter Wurst ernährt“, erzählte Özdemir in einem Interview mit dieser Zeitung. Mit 17 sei er dann Vegetarier geworden. „In der Zeit davor habe ich wahrscheinlich mehr Fleisch gegessen als manche in ihrem gesamten Leben.“

Fakt Nummer 4: Er hat sich schon einmal als Sänger versucht

Zumindest musikalisch hat der Vegetarier keine Berührungspunkte mit Fischen. In der Anfangsphase der Pandemie versuchte sich Özdemir an einer Interpretation von „Die Forelle“ von Franz Schubert.

Als passiver Musikkonsument geht es beim Agrarminister dann aber tendenziell eher härter zur Sache. Özdemir ist großer Fan der Toten Hosen, trat schon mehrfach in Videos der Pop-Punker auf. Klar, dass Campino & Co auch nicht fehlen durften, als er im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2021 eine Playlist mit Lieblingsliedern für den WDR veröffentlichte.

Darunter findet sich von den Hosen der Song „Unter den Wolken“, verbunden mit dem Hinweis, dass sich so gut wie jeder ihrer Songs irgendwie gegen die politische Bräsigkeit der Konservativen richte. Da scheint naheliegend, dass die Hosen auch beim Landtagswahlkampf nicht fehlen werden.

Doch bei aller Zuneigung für die Punker, die „beste deutschsprachige Band der letzten Jahrzehnte“ ist aus Özdemirs Sicht Tocotronic. Besonders das Lied „Solidarität“ hat es ihm angetan. Und da man sich als Politiker nicht nur auf die älteren Wähler konzentrieren darf, ist in der Playlist auch ein Lied für die junge Generation mit dabei: „Lovely“ von Billie Eilish. Heute sei es nicht schlechter als früher, begründet Özdemir diese Wahl. „Die Jungen sind nicht schwächer als die Alten. Billie Eilish zeigt es.“

Fakt Nummer 5: Er trägt gerne Armbänder

Okay, Wolfgang Petry macht er so schnell keine Konkurrenz, aber doch gehören Armbänder zu Özdemir wie sein schwäbischer Akzent. Auf der Biofach-Messe in Nürnberg schenkten ihm gut informierte Vertreter aus der Ukraine 2023 ein Metall-Armband mit der Aufschrift: „Made in Russia – Recycled in Ukraine“. Ein schmaleres und buntes Armband wurde nach Angaben seines Büros von seiner Tochter geflochten. Es sei inzwischen aber den Zeichen der Zeit zum Opfer gefallen, heißt es. „Das andere Armband ist ein Geschenk des Teams während des Bundestagswahlkampfes 2021.“

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