Eigentlich erstaunlich, welche Empörungsbereitschaft die getrennten Ampel-Partner nach den monatelangen Streitigkeiten innerhalb des Bündnisses auch nach dessen Ende noch füreinander aufbringen. „Bösartigkeit“, „schäbig“, „Armutszeugnis“ – darunter machen sie es nicht bei den Sozialdemokraten angesichts des nun veröffentlichten und zumindest nicht rundheraus dementierten FDP-Fahrplans für den Koalitionsbruch.
„Nachlaufende Loyalitätsverpflichtungen“
Es ist die erkennbar wahlkampfgetriebene Replik auf das, was FDP-Chef Lindner als der heilige Christian des Trennungstrios in den vergangenen Tagen versucht hatte: sich nämlich mit großer Geste und noch größeren Worten dem Nachtreten zu verweigern und sich so zum Anstands-Sieger des Ampel-Aus zu erklären. „Nachlaufende Loyalitätsverpflichtungen“, „politische Kultur“, „Benehmen“ – darunter macht es wiederum ein Lindner nicht.
Dumm nur, dass es um seine vorauslaufenden Loyalitätsverpflichtungen weniger solide bestellt war, und dass das die Berichte um die Koalitions-Beendigungs-Strategie der Liberalen ans Licht gebracht haben. Die Pläne allein, da hat Lindner recht, hätten weniger großen Neuigkeitswert. Erst von den ethischen Stufen aus, die er selbst bis ganz nach oben geklettert war, ergibt sich die Fallhöhe.
Es sollte den Parteichef nachdenklich stimmen, dass offenbar gleich mehrere aus seiner Führungsriege zum Ausplaudern bereit waren. Und dem Bürger sollte es zu denken geben, dass die FDP es für besonders ausgebufft hielt, dem Kanzler in dessen Abwesenheit die Gefolgschaft kündigen zu wollen. Stichwort „politische Kultur“.
Zu besichtigen ist die ganz große Scheinheiligkeits-Show von Roten und Gelben gleichermaßen. Überzeugend ist in dem Stück keiner.