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Bundestagswahl 2025

Wen soll ich wählen? Diese Online-Tools können bei der Entscheidung helfen

Sie wählen zum ersten Mal oder können sich nicht entscheiden? Im Internet gibt es zahlreiche Programme, mit denen Sie feststellen können, welche Partei Ihre Interessen am ehesten vertritt.

Alle Wählerinnen und Wähler haben bei der Bundestagswahl zwei Stimmen.
Alle Wählerinnen und Wähler haben bei der Bundestagswahl zwei Stimmen.
Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Die ersten Briefwähler konnten schon Ende Januar, Anfang Februar ihre Stimmen für die Bundestagswahl 2025 vergeben. Andere lassen sich Zeit und gehen am 23. Februar kurz vor 18 Uhr ins Wahllokal. Stammwähler haben es leicht: Sie wählen seit Jahren die gleiche Partei und brauchen nur wenige Sekunden, um zwei Kreuze auf dem Wahlzettel zu machen. Doch es gibt auch jede Menge Spontanwähler: Sie entscheiden sich erst kurzfristig für eine Partei und einen Direktkandidaten. Ein Grund kann sein, dass sie nicht wissen, wen sie wählen sollen. In diesem Artikel stellen wir mehrere Online-Tools vor, die bei der Wahlentscheidung helfen können. Sie ähneln zum Beispiel einem Quiz, einem Fragebogen oder einer Dating-App und zeigen, zu welcher Partei die eigene Einstellung am besten passt. Auch Erstwähler können davon profitieren.

Wahl-Kompass

Soll der nächste Bundestag die Schuldenbremse einhalten? Soll das Deutschlandticket weiterhin angeboten werden? Und wie stehen Sie zum Atomausstieg, zur Bürgerversicherung, zur Zuwanderung, zur Rentenhöhe und zur Cannabis-Legalisierung? Diese Themen sind nur einige Beispiele aus dem Wahl-Kompass. Sie werden aufgefordert, über 31 Thesen zu wichtigen politischen Themen abzustimmen. Sie können zustimmen, nicht zustimmen oder „Neutral “anklicken.

Danach wird in einem Diagramm aus zwei sich kreuzenden Achsen abgebildet, wo welche Partei politisch steht: Die horizontale Achse geht von „Wirtschaftlich Links“ nach „Wirtschaftlich Rechts“, auf der vertikalen Achse ist oben „Progressiv “und unten „Konservativ“. CDU/CSU, die Freien Wähler und die AfD ordnet der Wahl-Kompass eindeutig wirtschaftlich rechts und konservativ ein. Die FDP ist nicht allzu weit entfernt, allerdings steht sie genau in der Mitte zwischen progressiv und konservativ. SPD, Linke und Grüne werden dagegen als eindeutig wirtschaftlich links und progressiv dargestellt, das BSW wirtschaftlich links und konservativ. Im Diagramm können Sie auch erkennen, welche Partei Ihre Ansichten am ehesten vertritt. Der Wahl-Kompass wurde an der Universität Münster entwickelt.

Wahl-Kompass: Darstellung der Ergebnisse.
Wahl-Kompass: Darstellung der Ergebnisse.
Screenshot: wahl-kompass.de

WahlSwiper

Der WahlSwiper funktioniert ähnlich wie der Wahl-Kompass, das Design erinnert allerdings an eine Dating-App. Stimmen Sie einer Aussage zu, wischen Sie auf dem Smartphone-Display nach rechts. Lehnen Sie etwas ab, wischen Sie nach links. Wer keine Meinung zu einem Thema hat, kann die Frage überspringen. Finden Sie ein Thema dagegen besonders wichtig, können Sie es doppelt gewichten. Die App funktioniert auch über den Browser mit der Maus. Unter den Themen, zu denen die Nutzer von WahlSwiper abstimmen können, sind Rüstungsexporte, Entwicklungszusammenarbeit, Bürgergeld, Mindestlohn, Parteispenden, Wählen ab 16, Kernkraftwerke, Tempolimit, Verbrenner-Autos, Vermögenssteuer, Rundfunkbeitrag, Schwangerschaftsabbruch, Cannabis und Asylverfahren.

Nach 38 Fragen können Sie Ihre Haltung mit denen der Parteien vergleichen. Die Parteien wurden vorab gebeten, zu den Fragen Stellung zu nehmen. Anders als beim Wahl-Kompass stehen außer den bereits im Bundestag vertretenen Parteien auch jede Menge kleine zur Auswahl. Im Endergebnis sehen Sie nach Prozentwerten geordnet, inwiefern die Parteien Ihren Ansichten zustimmen. Würde eine Partei 80 Prozent der Fragen genauso beantworten wie Sie, vertritt sie deutlich öfter Ihre Interessen als eine andere Partei, die nur 20 Prozent der Fragen so wie Sie beantworten würde. Die Fragen für den WahlSwiper wurden hauptsächlich von Politikwissenschaftlern der Universität Freiburg entwickelt. Journalisten, Programmierer, Grafiker und Videoproduzenten sind ebenfalls an dem Projekt beteiligt. Es finanziert sich unter anderem durch Spenden.

Wahl-O-Mat

Zu den bekanntesten Wahlvorbereitungstools zählt auch der Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB). Genau wie die Macher des Wahlswipers hat die BpB den Parteien vorab 38 Thesen zur Bewertung vorgelegt. Sie können jeweils zustimmen, nicht zustimmen, „neutral“ auswählen oder eine These überspringen. Die Thesen behandeln unter anderem den Krieg in der Ukraine, erneuerbare Energien, das Bürgergeld, Tempolimits auf Autobahnen, Atomkraft, die Schuldenbremse und die Verkehrsinfrastruktur. Anschließend können Sie Themen, die Ihnen besonders wichtig sind, doppelt gewichten. Danach wird im Ergebnis aufgelistet, welche Parteien sich am ehesten für Ihre Interessen einsetzen wollen und welche nicht.

Hier können Sie den Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl 2025 direkt ausprobieren.

Parteien versprechen in Ihren Wahlprogrammen, Social-Media-Posts und Werbespots jede Menge Dinge – doch ob sie die Versprechen einhalten können, ist unklar. Vergangene Entscheidungen, zum Beispiel im Bundestag verabschiedete Gesetze, lassen sich dagegen sehr gut auswerten. Das ist auch der Ansatz von DeinWal und Real-O-Mat. Beide Online-Tools haben nicht Vorhaben der Parteien beurteilt, sondern sich angeschaut, wie die Parteien in der Vergangenheit abgestimmt haben. So können sich Wählerinnen und Wähler einen Überblick darüber verschaffen, welche Parteien in den vergangenen Jahren ihre Ansichten vertreten haben und welche nicht. Wir stellen die beiden Online-Tools kurz vor.

DeinWal

Bei DeinWal werden Sie gefragt, ob Sie Entscheidungen aus der vergangenen Legislaturperiode des Bundestages (seit 2021) zustimmen, nicht zustimmen oder keine Meinung dazu abgeben möchten. Während der Regierungszeit von Olaf Scholz wurden unter anderem Cannabis legalisiert, über eine allgemeine Impfpflicht diskutiert, ein Sondervermögen von 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr bewilligt und die Mehrwertsteuer für die Gastronomie wieder auf 19 Prozent erhöht. Sie sehen nicht erst am Ende des Quiz eine Auswertung, schon nach jeder beantworteten Frage erkennen Sie, welche Partei (mehrheitlich) genauso abgestimmt hat. In der abschließenden Auswertung wird dargestellt, wie oft welche Partei in Ihrem Interesse abgestimmt hat. Für jede einzelne Abstimmung ist sichtbar, ob eine Partei geschlossen für oder gegen ein Gesetz gestimmt beziehungsweise sich enthalten hat oder ob einzelne Abgeordnete gegen die Mehrheit ihrer Fraktion gestimmt hat. Dein Wal wird ehrenamtlich von zwei Privatpersonen betrieben, die das Projekt selbst finanzieren.

Real-O-Mat

Der Real-O-Mat funktioniert nach dem gleichen Konzept wie DeinWal und wird von FragDenStaat bereitgestellt. Die Antwortmöglichkeiten werden allerdings anders genannt: „Ja, finde ich auch“ ist selbsterklärend. Dann gibt es jedoch zwei Möglichkeiten, um mit Nein zu antworten: „Nein, geht mir zu weit“ und „Nein, reicht mir nicht aus“. Damit unterscheidet der Real-O-Mat, ob man ein Gesetz ablehnt, weil man es als überzogen empfindet oder weil es nicht weit genug geht. Enthaltungen werden in beiden Fällen einer Nein-Stimme gleichgesetzt. Man kann trotzdem eine oder mehrere Thesen überspringen.

Im Quiz werden teilweise andere Thesen zur „Abstimmung“ gestellt als bei DeinWal: Es geht zum Beispiel darum, ob Bürgergeldempfänger ihren Anspruch darauf verlieren sollen, nachdem sie mehrere Arbeitsangebote abgelehnt haben, ob Fachkräften von außerhalb der EU die Einwanderung erleichtert werden soll, ob Bürgerinnen und Bürger ihren Geschlechtseintrag beim Standesamt bedingungslos ändern dürfen und ob das Deutschlandticket nicht teurer, sondern günstiger werden soll. Nachdem Sie alle Thesen bewertet haben, können Sie entscheiden, ob Sie Ihre Einschätzung zu bestimmten Thesen doppelt gewichten wollen. Anschließend sehen sie genau wie bei anderen Online-Tools, welche Parteien am ehesten mit Ihnen übereinstimmen. Zusätzlich können Sie anschauen, wie die Parteien ihre Entscheidungen begründet haben. FragDenStaat finanziert den Real-O-Mat und alle anderen Agebote mit Spenden.

Wahltest

Im Quiz auf wahltest.de sollen die Bürgerinnen und Bürger nach vorne schauen: Statt beschlossenen Gesetzen oder Vorhaben aus Wahlprogrammen zuzustimmen oder sie abzulehnen, sollen sie ankreuzen, wie sich eine Herausforderung am ehesten lösen lässt. Wie können die Energiekosten für die Industrie kurzfristig gesenkt werden? Soll das Bürgergeld grundlegend reformiert werden? Wie soll irregulärer Migration begegnet werden? Das sind drei von insgesamt 23 Fragen. Die Anzahl der Antwortmöglichkeiten variiert, sie sind jedoch immer vorgegeben, es gibt kein freies Feld. Zusätzlich können Sie eine Frage stärker oder schwächer gewichten sowie überspringen. In der folgenden Auswertungen werden Ihre Ansichten wie gewohnt mit denen unterschiedlicher Parteien verglichen – allerdings werden nur Parteien berücksichtigt, die momentan (Februar 2025) im Deutschen Bundestag sitzen. Wahltest wird von der Kommunikationsagentur Wegewerk betrieben. Sie arbeitet nicht kommerziell und ist nach eigenen Angaben darauf spezialisiert, „Zukunftsfragen in die Öffentlichkeit zu tragen“.

Sie wollen lieber Ihre eigenen Fragen stellen und beantwortet bekommen und nicht auf bestehende Gesetze und Auswertungen reagieren? Das geht mithilfe von KI-Tools. Der Redaktion sind zwei solche Programme bekannt, die wir nachfolgend kurz vorstellen.

Wahl.chat

Sind Sie der Meinung, dass die vorher genannten Online-Tools ein wahlentscheidendes Thema vergessen haben? Oder ist für Sie ein Thema deutlich relevanter als für die Mehrheit der Bevölkerung? Dann könnte Ihnen wahl.chat helfen. Dahinter steht eine KI, die sie fragen können, was Sie wollen. Was sagt Partei A zum Klimaschutz? Was sind die Ziele von Partei B? Was unterscheidet zwei Bundespolitiker? Um diese Fragen zu beantworten, durchsucht die KI Wahlprogramme der betroffenen Parteien und fasst dann die für die Frage wichtigen Inhalte kurz zusammen. Sie können bis zu drei Parteiein miteinander vergleichen. Sämtliche Quellen sind verlinkt, sodass Sie prüfen können, welche Informationen die KI verwendet hat. Die Macher von wahl.chat geben an, dass sie die KI so programmiert haben, dass keine Partei bevorzugt wird.

Wahl.chat kann auch vergleichen, ob die Ziele einer Partei zum Abstimmungsverhalten in der vergangenen Legislaturperiode des Bundestages passen. Klickt man auf den vorgesehenen Button, werden mehrere für einen Aspekt relevante Abstimmungen aufgelistet und weitere Details von der Website des Bundestages verlinkt. Als dritte Funktion kann die KI Positionen einer oder mehrerer Parteien einordnen. Nach dem Klick auf den entsprechenden Button listet wahl.chat verschiedene Medienberichte auf, je nach Frage aber auch Online-Artikel von Parteien und Verbänden. Der SWR hat von den Machern erfahren, dass sie nicht beeinflussen, welche Quellen wahl.chat für eine Einordnung verwendet. Die Entwickler räumen auch ein, dass die KI Fehler machen kann. Deshalb seien ihre Antworten keine „offiziellen Parteiaussagen“ und komplexe Inhalte könnten nicht in allen Nuancen erfasst werden. Wahl.chat diene der politischen Bildung, für verbindliche Informationen solle man sich trotzdem direkt bei einer Partei informieren. Dennoch können Sie ein Feedback zu jeder erhaltenen Antwort abgeben. Wahl.chat wurde von vier Informatikern und einem Psychologen gegründet, die sich während der Forschung an einer Universität in Cambridge (England) kennengelernt hatten. Sie finanzieren das KI-Tool über Spenden.

Wahlweise.info

Ein weiteres KI-Tool, das auf Anfrage Informationen zu den Parteien liefert, heißt wahlweise.info. Die AI-UI GmbH aus Ilmenau hat es am 9. Febraur veröffentlicht. Der SWR hat von Gründer Martin Schiele erfahren, dass das Unternehmen wahlweise.info selbst finanziert. „Für uns ist dieses KI-Tool natürlich Marketing, denn verdienen tun wir daran nichts.“ Genau wie bei wahl.chat können Sie fragen, was sie wollen und anschließend ein Feedback abgeben. Die KI ruft im Hintergrund das jeweilige Wahlprogramm ab und fasst die Inhalte zusammen, die zur Frage passen. Fragen zur Zukunft wie „Kann Politiker XY Bundeskanzler werden?“ beantwortet wahlweise.info allerdings nicht. Im Gegensatz zu wahl.chat werden keine Quellen verlinkt. „Unsere Auswertung nach der Thüringer Landtagswahl 2024 hat gezeigt, dass die Leute die Funktion nicht wirklich haben wollen“, sagt Schiele dem SWR.

Interaktive Tools sind nicht die einzige Möglichkeit, um sich über die Bundestagswahl und die antretenden Parteien zu informieren. Auf buzzard.org werden verschiedene Medienberichte zu einem Thema gegenübergestellt, damit Leser sich eine möglichst umfassende Meinung bilden können. Und über abgeordnetenwatch.de können Sie direkt mit Abgeordneten kommunizieren – aber nicht nur. Wir stellen die beiden Online-Portale genauer vor.

Buzzard

Das Online-Portal buzzard.org fragt keine Meinungen ab, sondern sammelt verschiedene Medienbeiträge zu mehreren politischen Themen. Ziel ist es, unterschiedliche Perspektiven nebeneinanderzustellen. Zur Intrige gegen einen Bundestagsabgeordneten der Grünen findet man beispielsweise einen sachlichen Bericht über die Ereignisse, eine Analyse, die erklärt, warum die Grünen an ihrer Kommunikation scheitern würden und einen vorausschauenden Artikel zum Einfluss auf die MeToo-Berichterstattung. Auch zum Wahlkampf der anderen großen Parteien werden verschiedene Perspektiven gegenübergestellt. Zur Debatte um den Lohnentzug am ersten Krankheitstag hat buzzard.org zwei Pro- und zwei Contra-Artikel verlinkt. Verschiedene Perspektiven gibt es auch zu latent aktuellen Themen wie der Schuldenbremse, höhere Steuern für Reiche, Bürgergeld, Wohnungsmangel, Migration, Energiewende und dem Krieg in der Ukraine. Wer Artikel-Zusammenfassungen, Podcasts und Wochenrückblicke nutzen möchte, muss dafür zahlen. Buzzard.org vergibt auch Lizenzen an Schulen und Unternehmen und veranstaltet Demokratie-Workshops.

Abgeordnetenwatch

Wollen Sie direkt mit bestimmten Abgeordneten kommunizieren? Das können Sie zum Beispiel auf abgeordnetenwatch.de tun. Bundes- und Landtagsabgeordnete aller großen Parteien haben dort ein Profil. Man muss sich nicht anmelden, um Fragen zu stellen – anders als die Abgeordneten, die ihre Profile verifizieren müssen. Sie müssen den Bürgerinnen und Bürgern nicht antworten, doch jeder kann sehen, ob eine Frage schon beantwortet wurde oder nicht.

Für abgeordnetenwatch.de arbeitet auch eine Redaktion, die sowohl aufklärende Artikel zum politischen Alltag veröffentlicht als auch Verfehlungen einzelner Abgeordneter offenlegt. Im Januar 2025 finden sich dort zum Beispiel Hintergrundberichte zu großen Parteispenden, verdeckter Wahlwerbung und Politikern, die heute als Lobbyisten arbeiten. Hinter abgeordnetenwatch.de steht ein Verein, der auf Spenden angewiesen ist.

Der vorliegende Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Alle Online-Tools, die Bürgerinnen und Bürger nur um Einschätzungen zu bestimmten politischen Themen bitten, wurden nicht berücksichtigt.