Die Zahl jener Menschen, die einst jede Neuauflage des Weißbuchs der Bundeswehr neugierig verschlungen haben, dürfte sich in Grenzen halten. Es war der Vorläufer jenes geheimnisumwobenen Papiers, das seit Monaten zwischen den Bundesministerien zirkuliert: die Nationale Sicherheitsstrategie Deutschlands. Die Erwartungen an das Dokument wurden enorm hochgeschraubt. Nicht nur hat Außenministerin Annalena Baerbock es zu einem der zentralen Projekte ihrer Amtszeit erkoren. Es soll darüber hinaus zum ersten Mal eine umfassende Leitlinie für das internationale Agieren der Bundesrepublik darlegen. Freund und Feind wüssten dann, woran sie jenseits der aktuellen Tagespolitik bei Deutschland sind, wo die langfristigen Interessen der Bundesrepublik liegen. Außenpolitik-Experten fordern das von Europas mächtigstem Staat seit Langem.
Wie die Bundesregierung den außenpolitischen Neustart verstolpert
Atemlos schiebt die Ampelkoalition Projekt um Projekt aufs Gleis – um dann festzustellen, dass man manche Dinge besser vorher gut durchdenken sollte. Dieser Fehler darf in der Außenpolitik nicht passieren. Denn bei der Nationalen Sicherheitsstrategie liest noch jemand anderes mit.
Langes Ringen um die Sicherheitsstrategie: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD, r.) und Annalena Baerbock (Bündnis90/Die Grünen)
Michael Kappeler/dpa Langes Ringen um die Sicherheitsstrategie: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD, r.) und Annalena Baerbock (Bündnis90/Die Grünen)
Michael Kappeler/dpa