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Ukraine-Krieg

Putin befiehlt Atom-Übungen nahe der Grenze

Zuletzt gab Wladimir Putin bekannt, taktische Atomwaffen an der Grenze zu Belarus stationieren zu wollen. Nun geht der Präsident Russlands noch einen Schritt weiter.

Russlands Präsident Wladimir Putin baut ein Droh-Szenario mit Atomwaffen auf.
Russlands Präsident Wladimir Putin baut ein Droh-Szenario mit Atomwaffen auf.
Andrei Gorshkov/dpa

Immer wieder droht der russische Präsident Wladimir Putin mit dem Einsatz von Atomwaffen. Das russische Verteidigungsministerium soll jetzt nach Angaben der Agence France-Presse von ihm angewiesen worden sein, nahe der Ukraine eine Militärübung durchzuführen, bei der auch die Bereitschaft der Nuklearstreitkräfte getestet werden soll.

Putin plant Atom-Übungen an der Grenze zur Ukraine

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums hat der russische Präsident Wladimir Putin das russische Militär angewiesen, Atomwaffenübungen mit Beteiligung der Marine und der nahe der Ukraine stationierten Soldaten abzuhalten. Das Verteidigungsministerium erklärte am Montag im Onlinedienst Telegram, dass während der Übung Maßnahmen getroffen werden, um die Vorbereitung und den Einsatz von nicht-strategischen Atomwaffen zu üben. Diese Maßnahme solle nach Angaben des Verteidigungsministeriums die Bereitschaft der Armee aufrechterhalten, nachdem einige westliche Vertreter provokative Äußerungen und Drohungen gegen Russland gemacht hätten.

„Rede an die Nation“: Warnung vor atomarer Schlagkraft Russlands

Bereits Ende Februar hatte Putin den Westen vor der atomaren Schlagkraft Russlands in seiner „Rede an die Nation“ gewarnt. Dies geschah auch im Hinblick auf den Vorstoß Macrons, in die Ukraine auch französische Soldaten zu entsenden. Putin reagiert laut ZDF darauf mit einer Drohgebärde: „Sie müssen doch wissen, dass wir auch Waffen haben, die Ziele auf ihrem Territorium treffen können“. Die Drohung mit Atomwaffen sind in Russland an der Tagesordnung. Wäre Russland auch tatsächlich bereit, einen atomaren Angriff durchzuführen?

Wie wahrscheinlich ist ein atomarer Angriff durch Russland?

Im Februar erschien in den USA der neueste jährliche Geheimdienstbericht des Office of the Director of National Intelligence (ODNI). Dieser Einschätzung zufolge plane Russland zwar seine hybride Kriegsführung, mit Desinformationskampagnen, Hacking, Cyberangriffen sowie Spionage, fortzuführen. Der Bericht geht jedoch mit ziemlicher Sicherheit davon aus, dass Russland keinen direkten militärischen Konflikt mit US- und Nato-Streitkräften anstrebt.

Bezüglich anderer Länder sieht die Einschätzung anders aus. Laut Medienberichten kursierte in Sicherheitskreisen der USA im Oktober 2022 die Annahme, dass Russland einen Angriff mit taktischen Atomwaffen auf die Ukraine plane. Man habe sich in den USA aufgrund von abgehörten Gesprächen darauf vorbereitet. Das ZDF berichtet in Berufung auf die Auswertung russischer Militärakten aus den Jahren 2008 bis 2014 durch die Financial Times, dass allerdings auch die Kriterien für den Einsatz taktischer Atomwaffen deutlich höher liegen würden, als nach außen hin bekannt. Den Angaben zufolge kämen taktische Atomwaffen zum Einsatz, falls z. B. eine größere Zahl gegnerische Truppen in russisches Territorium eindringe oder ein Fünftel der russischen Militär-U-Boote zerstört würde.

Die Drohungen Russlands mit einem atomaren Angriff bewegen sich demnach in einem Graubereich. Bisher sind alle Äußerungen über einen Einsatz nuklearer Waffen ins Leere gelaufen. Dennoch legen Einschätzungen des Geheimdienstes nahe, dass keine absolute Gewissheit darüber besteht, ob Russland bereit wäre, eines Tages auch einen Angriff folgen zu lassen. Wie stark ist die russische Armee? Hier gibt es die Zahlen und Fakten zum russischen Militär im Überblick.

Taktische vs. Strategische Atomwaffen

Taktische Atomwaffen haben eine geringere Sprengkraft als strategische Atomwaffen. Sie werden in der Regel für begrenzte militärische Operationen eingesetzt und haben eine begrenzte Reichweite. Strategische Atomwaffen hingegen besitzen eine deutlich größere Sprengkraft, die in der Lage ist, ganze Städte oder Regionen zu zerstören. Sie werden oft als Abschreckungsmittel eingesetzt und haben eine hohe Reichweite, die es ermöglicht, Ziele in großer Entfernung zu treffen. Bei der Übung nahe der Ukraine soll die Einsatzbereitschaft der nuklearen Streitkräfte Russlands mit taktischen Atomwaffen getestet werden.

Quellen:

  • Office of the Director of National Intelligence (ODNI): Geheimdienstbericht