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Reisewarnung Tirol Vorarlberg Risikogebiete Österreich

Tirol und Vorarlberg trotz Reisewarnung weiter erreichbar

Deutschland stuft Vorarlberg und Tirol als Risikogebiete ein und verhängt eine Reisewarnung. Fahrten sind aber weiter möglich.

Österreich, Tirol: Schnee in Hochfilzen: Für das „Risikogebiet“ Tirol gilt eine Reisewarnung.
Österreich, Tirol: Schnee in Hochfilzen: Für das „Risikogebiet“ Tirol gilt eine Reisewarnung.
Johann Groder / dpa

Ausländische Reisewarnungen für österreichische Regionen greifen weiter um sich. Das deutsche Robert–Koch–Institut hat das Bundesland Vorarlberg am Mittwoch einigermaßen überraschend auf die Liste der Risikogebiete gesetzt, Tirol jedoch ausgenommen. Solche Einstufungen sind stets auch mit einer Reisewarnung des Auswärtigen Amts verbunden.

Die beteiligten Stellen stimmen sich vorher untereinander ab, wobei das Innenministerium (Seehofer) und das Gesundheitsministerium (Spahn) für das Robert–Koch–Institut zuständig sind und sich zumindest im Zweifelsfall gegen Außenminister Heiko Maas und seine Mitarbeiter durchsetzen können.

Belgien hat indes entschieden gleich die beiden Bundesländer Tirol und Vorarlberg ab Freitag auf seine rote Liste zu setzen. Am Freitagabend folgte mit zwei Tagen Verzögerung dann doch noch Deutschland mit einer Reisewarnung auch für Tirol.

Pendler und Berufskraftfahrer von Reisewarnung für Vorarlberg ausgenommen

Von der deutschen Reisewarnung sowie von der Test– und Quarantänepflicht sind Gruppen wie Berufskraftfahrer und Pendler ausgenommen. Voraussetzung ist in Baden–Württemberg und Bayern, dass man sich nicht länger als 48 Stunden im Risikogebiet aufgehalten hat. Auch bei privaten Fahrten kann man sich auf diese Regelung berufen. Durchreisende sind ebenfalls nicht erfasst — genau so wenig wie der Weg zum Arzt oder Besuche bei Lebenspartnern (selbst bei Dauer von mehr als 48 Stunden). Die Quarantäne–Ausnahmen gelten in Bayern allerdings nur, wenn man keine private oder öffentliche Veranstaltung besucht hat und auch keine Coronavirus–Symptome aufweist.

Trotz Reisewarnung bis zu 72 Stunden freie Fahrt nach Tirol und Vorarlberg

Nach bayerischen Angaben ist der Reisegrund bei einem Vorarlberg–Aufenthalt unter 48 Stunden unerheblich. Für den angrenzenden Landkreis Lindau hat Landrat Elmar Stegmann die Frist per Allgemeinverfügung sogar auf 72 Stunden verlängert. Auch der Kreis Oberallgäu erlaubt 72 Stunden Aufenthalt in Tirol oder Vorarlberg, ohne dass man sich testen lassen muss oder in Zwangsquarantäne kommt. Damit soll unter anderem Wochenendpendlern aus Österreich das Leben erleichtert werden.

Reisewarnung für Tirol und Vorarlberg schwerer Schlag für Tourismusbranche

Wie bz–berlin.de berichtet, bedeutet die Reisewarnung für die beiden Bundesländer eine Zwickmühle: Die Pandemie will nach den Massenansteckungen im Tiroler Skiort Ischgl niemand verharmlosen. Doch die Ansteckungen, die die Zahlen auf den für Deutschland kritischen Sieben–Tages–Schnitt von über 50 Infektionen pro 100.000 Einwohner bringen, finden derzeit kaum in den ländlichen Regionen statt. Auch Hotels in Teilen von Tirol, die keine Fälle registriert hätten, berichteten ihm von 50 Prozent Stornierungen, sagte Gerber. „Das ist für uns ein ganz schwerer Schlag.“

Vorarlberger dürfen in Lindau nicht einkaufen gehen

Klar ist jedoch, dass Bewohner Vorarlbergs nicht in Lindau oder anderen deutschen Städten einkaufen oder essen gehen dürfen, da sie sich vor der Überquerung der Grenze ja dauerhaft in Österreich aufgehalten haben. Wie das Ganze ohne Grenzkontrollen überhaupt überprüft werden kann, bleibt zwar offen. Tourismus und Gastronomie dürfte es insbesondere auf Vorarlberger Seite aber hart treffen.

Keine Grenzschließung zwischen Deutschland, Vorarlberg und dem Kleinwalsertal

Als Risikogebiet gilt auch die österreichische Exklave Kleinwalsertal, die zu Vorarlberg gehört und nur über deutsches Gebiet erreichbar ist. Da die Walser im Allgäu einkaufen, zum Arzt gehen und weiterführende Schulen besuchen, gibt es in der Region Forderungen nach einer Ausnahmeregelung. Anders als im Frühjahr wird es jedoch zwischen Deutschland und Österreich vorerst keine Grenzschließung geben.

Die deutsche Reisewarnung könnte unter dem Strich eher symbolischen Charakter haben und muss nicht unbedingt eine große praktische Wirkung entfalten. In keinem Fall ist sie mit einem „Reiseverbot“ gleichzusetzen. Bundeskanzler Sebastian Kurz zeigte sich bei einer Pressekonferenz optimistisch, dass die Einschränkungen bald wieder aufgehoben werden. Die Vermutung, dass es sich dabei teilweise um Retourkutschen für die radikale Abriegelung Österreichs im März handeln könnte, wies er zurück.

Niederländische Reisewarnung nur für Innsbruck, „Rest–Tirol“ ausgenommen

Am Dienstag hatten bereits die Niederlande eine Reisewarnung für Innsbruck ausgesprochen den Rest von Tirol jedoch verschont. Jeder Holländer, der sich in Innsbruck aufhält und zurück nach Hause reist, muss in der Heimat im Prinzip zehn Tage in Quarantäne. Fraglich ist auch, wie diese Art von Reisewarnungen überhaupt kontrolliert werden soll.

Fällt die Reisewarnung für die „Risikogebiete“ Tirol und Vorarlberg schon im Oktober wieder?

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz hat unterdessen für den Ski–Winter ein Après–Ski–Verbot angekündigt, um die Saison in Risikogebieten wie Vorarlberg und Tirol trotz neuerlicher Reisewarnungen zu retten. An Schnee dürfte es dabei übrigens nicht mangeln, denn bereits für das letzte Septemberwochenende war ein Wintereinbruch in den Höhenlagen Vorarlbergs und Tirols angesagt. Anfang Oktober war in den Risikogebieten bereits eine Besserung der Corona–Lage zu verzeichnen. Die Reisewarnung für Tirol und Vorarlberg könnte schnell wieder aufgehoben werden.