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Mondkontrollzentrum in Bayern

Von hier wird die nächste Mondmission gesteuert

Im bayerischen Oberpfaffenhofen soll ein Mondkontrollzentrum entstehen. Was das ist und warum es Bayern zur „Weltraummacht“ erheben soll.

Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, nahm an der Unterzeichnung einer Absichtserklärung für ein zukünftiges Mondkontrollzentrum (Moon Mission Control Centre) am Standort Oberpfaffenhofen teil.
Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, nahm an der Unterzeichnung einer Absichtserklärung für ein zukünftiges Mondkontrollzentrum (Moon Mission Control Centre) am Standort Oberpfaffenhofen teil.
Firma dpa STATISTISCH

Oberpfaffenhofen bringt Bayern einen Schritt weiter Richtung Mond. Denn in dem Ortsteil bei München soll das europäische Kontrollzentrum für künftige astronautische Mondmissionen aufgebaut werden. Am Mittwoch, 13. März, unterzeichneten die Spitzen der europäischen Raumfahrtagentur ESA und des Deutschen Zentrums für Luft– und Raumfahrt (DLR) sowie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder in München die entsprechende Absichtserklärung.

Wofür gibt es ein Mondkontrollzentrum?

Das Zentrum soll bei der Vorbereitung künftiger Mondmissionen im Rahmen des Artemis–Programms der Nasa eine wichtige Rolle spielen. Mit diesem Programm will die US–Raumfahrtbehörde in wenigen Jahren wieder Menschen zum Mond schicken. Die ESA ihrerseits setzt darauf, dass dann erstmals auch eine Europäerin oder ein Europäer auf den Mond fliegen kann.

Warum ausgerechnet Oberpfaffenhofen?

Am DLR–Standort in Oberpfaffenhofen befindet sich heute bereits eines der Kontrollzentren für die internationale Raumstation ISS. Dieses soll nun zu einem Mondkontrollzentrum ausgebaut werden. Dabei ist auch ein neues Gebäude am Standort geplant.

Außerdem ist das Mondkontrollzentrum Markus Söder zufolge für den Ort nahe München geeignet, „weil wir space–minded sind“. Er spricht bestehende Unternehmen wie den Flugzeughersteller Airbus Defence and Space an, verweist auf mehr als 200 Unternehmen und Forschungsinstitute sowie die Universität.

Das Mondkontrollzentrum hat laut Markus Söder einen hohen wirtschaftlichen Effekt auf Bayern und stelle den Wirtschaftszweig der Zukunft dar.

Wie viel soll das Zentrum kosten und wann soll es fertig sein?

Söder sagte: „Oberpfaffenhofen entwickelt sich zum bayerischen Houston.“ Der Freistaat nehme für das neue Kontrollzentrum selbst 33 Millionen Euro in die Hand. Das Geld sei in der Haushaltsplanung bereits berücksichtigt und damit sicher, betonte der Ministerpräsident.

Als Zieldatum für die Eröffnung des neuen Zentrums nannte ESA–Generaldirektor Josef Aschbacher das Jahr 2027. Man gehe damit jetzt die nächsten wichtigen Schritte, zurück zum Mond „und eventuell darüber hinaus“. Heißt: irgendwann auch in Richtung Mars. Bei alledem könne man auf die Erfahrungen des ISS–Kontrollzentrums aufbauen. Offiziell heißt das geplante Mondkontrollzentrum Human Exploration Control Center (HECC).

Bayern werde zur „Weltraummacht“

Aschbacher hob die enge Zusammenarbeit mit der Nasa hervor, deren zentrales Kontrollzentrum in Houston sitzt: Die ESA habe sich längst als ganz starker Partner der Nasa etabliert. Und mit dem Standort Oberpfaffenhofen sei auch Bayern „eine Weltraummacht“.

Die DLR–Vorstandsvorsitzende Anke Kaysser–Pyzalla sagte in einer Videobotschaft: „Die Rückkehr des Menschen zum Mond eröffnet uns völlig neue Möglichkeiten in der Raumfahrtforschung.“ Und mit den neuen Plänen für Oberpfaffenhofen werde „die erfolgreiche Geschichte der Raumflugkontrolle in Deutschland weitergeschrieben“.

Wann sollen die nächsten Astronauten auf den Mond fliegen?

Mehr als 50 Jahre ist es her, dass Astronauten zum Mond geflogen sind. 1972 fand der Flug Apollo 17 statt. Doch er soll nicht die letzte Mission zum Mond gewesen sein: Nach Angaben der DLR will das Artemis–Programm der NASA noch in diesem Jahrzehnt wieder Menschen und Forschung auf den Planeten bringen. Dafür soll der DLR zufolge ein dauerhaftes Basislager auf dem Mond errichtet werden.

Was unterscheidet das Artemis– vom Apollo–Programm?

Neil Armstrong erreichte den Mond auf direktem Weg, ohne Zwischenstation. Das ist zwar möglich, doch der neue Plan sieht einen „Umsteigebahnhof“ vor, wie die DLR berichtet. Die NASA will eine Raumstation in der Mondumlaufbahn bauen, ein sogenanntes Lunar Gateway. Denn für die neue Mission auf dem Mond werden dem Raumfahrt– und Technologiekonzern OHB zufolge größere Landeapparate, mehr Menschen und Material benötigt, als auf direktem Weg auf den Mond transportiert werden können. Es werde also zuerst alles zu dem Gateway und von dort weiter zum genauen Bestimmungsort auf dem Mond geschickt. Künftig soll das Lunar Gateway auch als Zwischenstation für Landungen von Astronauten auf dem Mond oder anderen Orten im Weltraum wie dem Mars dienen.

Mit Material der dpa