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Amtsgericht Neu-Ulm

Hat ein Arzt falsch diagnostiziert? - „Die Hand war nicht blau, nicht weiß und nicht eiskalt“

Einem Arzt wird nach einer Behandlung im Notdienst in Weißenhorn unterlassene Hilfeleistung vorgeworfen. Hätte er mit Blick auf die Hand des Patienten einen Gefäßverschluss feststellen müssen?

Am Amtsgericht Neu-Ulm wurde am Dienstagvormittag der Fall eines Arztes behandelt. Der Vorwurf: unterlassene Hilfeleistung.
Am Amtsgericht Neu-Ulm wurde am Dienstagvormittag der Fall eines Arztes behandelt. Der Vorwurf: unterlassene Hilfeleistung.
Patrick Fauß

Mal geht es um zwei Finger, mal um die ganze Hand – und die Frage: Wie blau ist sie beziehungsweise sind sie gewesen? Am Amtsgericht Neu-Ulm wurde am Dienstag der Fall eines Arztes verhandelt. Der Vorwurf: unterlassene Hilfeleistung. Am Samstag, 12. Februar 2022 hatte der 75-Jährige Notdienst in einer Notfallpraxis in Weißenhorn. Gegen 10 Uhr kam ein Patient aus Pfaffenhofen zu ihm in den Behandlungsraum. Dieser soll von einem Flimmern des Augenlids berichtetet haben, von Schmerzen im Arm, so die Staatsanwältin. Und: von einer bläulich verfärbten Hand. Wie sich später herausstellte, hatte der Patient eine Durchblutungsstörung, ausgelöst durch einen Gefäßverschluss. Im schlimmsten Fall kann das zum Absterben der Finger, zu einer Amputation oder, sollte ein Herzinfarkt ausgelöst werden, zum Tod führen.