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Zur US-Wahl

Der Traum ist aus

Wie die Wahl aus Sicht der Region Reutlingen bewertet wird.

Die Wahl ist gelaufen, aber nicht nach Wunsch.
Die Wahl ist gelaufen, aber nicht nach Wunsch.
SWP Neckar-Alb

Es ist so ein Gefühl, als verfüge man über einen gut versteckten und noch besser gehüteten Knopf, der einen fürchterlichen Tornado auslöst und den nun jemand gedrückt hat. Im Moment danach ist zwar alles noch ganz still. Aber schon suchen die Augen den Horizont nach ersten Gewitterwolken ab. Die US-Wahl könnte ja eigentlich alleinige Angelegenheit der US-Amerikaner sein, ist sie aber nicht. Trumps Sieg wird uns in Deutschland heftig vor die Füße fallen. Allein im Landkreis Reutlingen, Tübingen und Zollernalb sind etwa 400 Unternehmen auf gute Handelsbeziehungen zu den USA angewiesen. Strafzölle wirken sich verheerend aus. Entweder zahlen oder, was auf lange Sicht lukrativer ist, Werke von Deutschland in die USA auslagern. Also Arbeit exportieren und Arbeitslosigkeit importieren. Kein guter Deal, aber irgendwie machbar. Doch wie steht es um unsere Sicherheit? Wenn Trump die Ukraine nicht mehr unterstützt und die Nato schwächt, wie er es während seiner ersten Amtszeit bereits angedroht hat, stehen wir blank da. Wir könnten von Glück reden, wären wir nur „bedingt abwehrbereit“, wie das Magazin Der Spiegel 1962 der Bundeswehr attestierte. Putin und sein neuer Freund aus Nordkorea werden sich heute ein Freudengelage vom Feinsten gönnen, denn wenn es deren Plan sein sollte, den größten Teil der Menschheit zu versklaven, sind sie dem durch Trumps Wahlsieg einen bedeutenden Schritt näher gekommen. Eingebrockt haben uns die Misere aber andere. Bundeskanzler Scholz etwa hat seiner Rede von der Zeitenwende nichts als lauwarme Luft folgen lassen. Die EU scheitert bei allen wichtigen Vorhaben am Problem der jeweils notwendigen Einstimmigkeit, die umso schwieriger zu erreichen ist, je wichtiger das Vorhaben. Und Außenministerin Baerbock gefällt sich in der Rolle, der Welt feministische Politik beibringen zu wollen. Finster werden die Aussichten, wenn man auf jene schaut, die hinter Trump stehen. Ein Milliardär namens Musk, der von Menschenrechten wenig hält, und die Evangelikalen, die vermutlich schon an Scheibenmodellen für die Erde arbeiten, die die Globen in den Klassenzimmern ersetzen sollen. Verrückt? Verrückt ist nur, dass die deutsche Politik acht Jahre verschlafen hat. Acht Jahre, während denen nichts umgesetzt wurde, was die Verhandlungsposition Deutschlands (in Gesprächen mit wem auch immer)  hätte stärken können. Immerhin hat man hierzulande Regenbogenfahnen an Rathäusern gehisst, kennt außer dem N- nun auch ein I-Wort (Indianer) und hat gegen rechte, statt gegen rechtsradikale, Politik demonstriert. Die deutsche Band Ton, Steine, Scherben hat es mal so formuliert: „Der Traum ist aus“.