15° / 6°
Mehrwerttour im Weinberg Metzingen

Treffen mit den fremden Früchtchen

Mit großer Vorfreude und ausreichend Sonnenschutz ließen sich Abonnenten der SÜDWEST PRESSE auf eine Weinerlebniswanderung ein.

Bereits früh zeichnete es sich ab: Viele der 40 Leserinnen und Leser der SÜDWEST PRESSE, mit den Ausgaben Zollernalbkreis, Metzinger–Uracher Volksblatt/Der Ermstalbote, Reutlinger Nachrichten, Hohenzollerische Zeitung und Alb Bote, die an der Weinwegerlebnistour teilnahmen, sind eher die Ein–Gläschen–am–Abend–Weinkenner. Genau das richtige Publikum also, um sich an einem schönen sonnigen Tag zwischen den Weinreben, Gedanken um den Anbau an sich, aber vielmehr um den Wein der Zukunft zu machen.

Als Weinregion zunehmend etabliert

Kurt Mende und Elisabeth Eberle, beide Mitglieder des Förderkreises Metzinger Keltern, führten die Gruppen an, und sie hatten einiges an Informationen im Gepäck! Die Weinberge in Metzingen und Neuhausen sind an sich schon Sehenswürdigkeiten: Kein anderes Bepflanzungsgebiet in Baden–Württemberg liegt südlicher. Durch vulkanisches Gestein wie Basalt, der sehr gut Wärme speichert wie spendet und so überhaupt einen kräftigen Wuchs ermöglicht, sind es auch die höchstgelegenen Anbaugebiete im Ländle.

Seit den 1970er Jahren konnte sich Metzingen mit seinen 32 Hektar Anbaufläche als Weinregion zunehmend etablieren und auch qualitativ einen guten Ruf aufbauen. Zwischen den idyllisch am Hang gelegenen Häuschen, die früher als Gerätelager und Ort für eine Pause genutzt wurden, kann man in diesen Tagen nicht mehr nur kommerzielle Rebsorten finden. Zu jenen gehört unter anderem der Trollinger, der in Metzingen nur aufgrund klimatischer Veränderungen wächst.

Unter den 30 Traubenarten, die wiederkehrend angepflanzt werden, sind stolze zehn Prozent biologisch angebaut. Da es sich bei diesen Rebsorten um Züchtungen und Kreuzungen handelt, sind sie wesentlich pilzresistenter und können auch in Kombination mit anderen Blumen und Gräsern wachsen. Im Vergleich zu kommerziellen Sorten, die gegen (Falschen) Mehltau und Schädlinge regelmäßig gespritzt werden, wachsen die Pilzwiderstand–Reben (kurz PiWi genannt) nachhaltiger und ressourcenschonender bereits in ihrem ersten Jahr. Dazu gehört auch die Zeit, die ein Weinbauer für das Ausfahren der Herbizide, Pestizide und Glyphosat braucht.

Schon zu Beginn der Tour hatte Kurt Mende versprochen: „Sie werden die Namen von Rebsorten hören, die Sie noch nie gehört haben.“, und noch in ausgelassener Runde im Weinbaumuseum des Förderkreises war man bemüht, einige der Namen aufzuzählen. Solaris, Sauvignon Gris und Muscaris wären dabei nur wenige Beispiele für die Bio–Trauben, die man auf dem Weinberg bestaunen konnte. In flüssiger Form, dem „Naturtalent“-Wein, gab es vor einem großzügigen Vesper, noch eine Bio–Weinprobe. Riechend, schwenkend und nippend konnte sich manch neuer Liebhaber finden lassen. Einige der Teilnehmer ließen sich die Gelegenheit nicht nehmen, eine Flasche Metzinger Bio–Wein für „mal ein Gläschen am Abend“ mitzunehmen.

Der Trend geht zum Bio–Wein

Nach der zweistündigen, abwechslungsreichen Wanderung ließ so mancher die Eindrücke nochmal Revue passieren. Der Trend zur Bio–Traube, Biodiversität und Nachhaltigkeit fand große Unterstützung, denn 1000 Jahre Weinanbau und auch die Atmosphäre der Weinberge wollen auf jeden Fall für zukünftige Generationen erhalten werden. „Es ist doch wie Urlaub in der Toskana, wenn man die Rebstöcke so am Hang wachsen sieht“, freut sich eine Leserin beim Abstieg.

Neben den vielen Details und Anekdoten, die Kurt Mende und Elisabeth Eberle einfließen lassen, ist es auch die Aussicht über Metzingen bis in die Ferne zum Stuttgarter Fernsehturm, die manch weitere Anreise lohnenswert gemacht hat. Nebstdem haben die Teilnehmer einen Einblick in die Lese und den Gärungsprozess bekommen, und es wurde auch die Frage beantwortet, ob man wirklich aus roten Trauben weißen Wein gewinnen kann. Das liebevoll gestaltete Programm und der rundum gelungene Tag, der von Seiten der SÜDWEST PRESSE ermöglicht wurde, kündigten einige Leser an, lässt sie ihr Losglück für eine der kommenden Mehrwerttouren noch öfter austesten.