Es fällt schwer, einen Politiker zu benennen, der seine schwäbische Heimat offensiver im Munde führt als Cem Özdemir. Kaum eine Gelegenheit lässt er aus, um mit gewissem Stolz auf seine schwäbische Herkunft Bad Urach hinzuweisen. Er, der „anatolische Schwabe“, wie er sich gerne selbst bezeichnet, wurde als Spross türkischer Gastarbeiter erzogen, sozialisiert und politisiert zwischen Amanduskirche, Marktplatz und den Wasserfällen. Auch nach dem Tod seiner Mutter Nahil im Jahr 2021 ist er immer noch viel und gerne in seiner Geburtsstadt, die ihm Identität, Erdung und dieses gewisse schwäbische Selbstverständnis schenkt, Klartext zu reden. Ein Wesenszug, der ihm bis heute nicht nur bei Reden im hohen Haus des Bundestags die Sympathien zufliegen lässt.