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Umstrittener Tübinger OB

Boris Palmer zurück zu den Grünen? Kretschmann ist dafür

Boris Palmers Zeit bei den Grünen endete mit einem Eklat und seinem Austritt. Heute haben die Grünen ganz andere Probleme. Jetzt kommt Bewegung in die Sache.

Zeichen der Annäherung? Ministerpräsident Winfried Kretschmann (links) kann sich eine Rückkehr des Tübinger OB Boris Palmer zu den Grünen gut vorstellen.
Zeichen der Annäherung? Ministerpräsident Winfried Kretschmann (links) kann sich eine Rückkehr des Tübinger OB Boris Palmer zu den Grünen gut vorstellen.
Archiv/dpa

Gibt es für Boris Palmer einen Weg zurück zu den Grünen? Ministerpräsident Winfried Kretschmann würde sich eine Rückkehr des streitbaren Tübingens Oberbürgermeister wünschen. „Es wäre schön, wenn er wieder zurückkehrt“, sagte der Grünen-Politiker am Mittwoch bei der Aufzeichnung des Podcasts „Alles gesagt?“ der Wochenzeitung „Die Zeit“ in Stuttgart.

Er sei nach wie vor in engem Kontakt mit dem inzwischen parteilosen Palmer – der Gesprächsfaden zu ihm sei nie abgebrochen, sagte Kretschmann, der Palmer als erfolgreichen Kommunalpolitiker lobte. „Er ist ein toller Oberbürgermeister und hat seine Stadt messbar vorangebracht.“ Er wisse allerdings nicht, ob Palmer eine Rückkehr im Moment selbst wolle, sagte Kretschmann. „Aber es wäre aus meiner Sicht schön, wenn so etwas wieder in Gang käme.“

Auch Özdemir ist offen für Palmers Rückkehr

Der Tübinger OB wollte sich auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE vorerst nicht zu dem Thema äußern. Vor einer öffentlichen Äußerung zum Thema müsse er erst mit Kretschmann reden, sagte Palmer. Er hatte zuletzt aber stets betont, dass die Grünen seine politische Heimat seien und er sich keiner anderen Partei verbunden fühle. Auf der kommunalen Ebene im Kreistag hatte er sich der Freien Wählervereinigung angeschlossen. Den Rücktritt der Grünen-Parteispitze hatte Palmer nicht kommentiert. „Mir scheint es schlechter Stil, aus einer Partei auszutreten und nachher solche Entwicklungen aus dem Off zu bewerten“, schrieb er auf Facebook. Den Austritt der Spitze der Grünen Jugend hält Palmer allerdings für einen „historisch richtigen Schritt“. Es habe zuletzt bei den Grünen eine „feindliche Übernahme von innen“ durch eine dezidiert linke und „woke“ Bewegung gegeben, die Urgrüne teils an den Rand gedrängt habe. Dadurch seien die ökologischen Ziele der Partei in den Hintergrund gerückt. Die Grünen seien aber historisch keine weitere linke Partei. Eine „klassenorientierte Politik“ der Grünen Jugend sei fehl am Platz. „Die Klimafrage ist dringend. Sie duldet keinen Aufschub für den Klassenkampf.“

Im vergangenen Jahr war Palmer bei den Grünen ausgetreten – nach einem Eklat um die Verwendung des N-Wortes bei einer Migrationskonferenz in Frankfurt. Schon vorher hatte seine Mitgliedschaft wegen anderer umstrittener Äußerungen geruht. Nach einer Auszeit änderte er unter anderem die Regeln für Kommentare auf seinem Facebook-Profil. Auch der wahrscheinliche Spitzenkandidat für die künftige Landtagswahl und derzeitige Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir hatte sich kürzlich positiv zu einer Rückkehr Palmers geäußert.

Kretschmann von Nachfragen zu Özdemir genervt

Auch zur Nachfolgefrage wurde Kretschmann beim Zeit-Podcast natürlich gefragt. Die nächste Landtagswahl in Baden-Württemberg findet im Frühjahr 2026 statt, Kretschmann wird dann nicht mehr antreten. Als aussichtsreichster Kandidat für die Spitzenkandidatur der Grünen gilt Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir.

Zur Frage, wann verkündet werde, wer die Grünen bei der nächsten Wahl anführen wird, äußerte sich Kretschmann zurückhaltend: „Ist es wirklich klug, in einer Abschwungphase, in der wir uns gerade befinden, den Spitzenkandidaten anzukündigen?“, sagte er.

Er sei zudem noch bis Mai 2026 Ministerpräsident und müsse das Land regieren. Man müsse möglichst lange vermeiden, dass sich die öffentliche Debatte vor allem darum drehe, was er und der nächste Spitzenkandidat unterschiedlich sehen. „Das hat keinen Wert und löst kein Problem“, sagte Kretschmann. Dass er ständig danach gefragt werde, gehe ihm auch etwas auf die Nerven, gab Kretschmann zu. „Vier Wochen nach meiner dritten Wahl wurde ich das schon gefragt. Leute geht’s noch?“ Die Frage interessiere nur Journalisten. Auf Bürgerversammlungen werde er das nie gefragt.