Mitten in einem verbalen Schlagabtausch zwischen Verteidigern und Bundesanwaltschaft platzt dem Vorsitzenden Richter Joachim Holzhausen urplötzlich der Kragen. „Stopp“, ruft er erbost in Richtung Anklagebänke, „da werden irgendwelche Sachen ausgetauscht!“ Und um solchen laxen Sitten ein für allemal den Riegel vorzuschieben, poltert der Richter noch hinterher: „Das gibt es bei mir nicht, sonst setze ich sie auseinander.“ Einer der Angeklagten zeigt leicht betreten auf die „Sache“ in seiner Hand: Es ist ein Bonbon, das ihm ein Mitangeklagter zugeschoben hat und dessen Folie unter dem Oberlicht des Stammheimer Verhandlungssaals nun grün-weiß schimmert. Der Richter grummelt noch, dass er von seinem Platz aus nicht beurteilen könne, was da hin- und hergeschoben wird. Dann geht es weiter in der Beweisaufnahme, und der Angeklagte lutscht sein Bonbon.
Blick in die Wüstenhose
Der Stuttgarter Prozess gegen mutmaßliche Mitglieder der Reuß-Gruppe steht nach drei Monaten noch fast am Anfang. Die akribische Feinarbeit könnte Jahre in Anspruch nehmen.
Die Angeklagten im Stuttgarter "Reichsbürger"-Prozess sitzen hinter einer Panzerglaswand und können nur über Mikrofone mit ihren Verteidigern sprechen.
Bernd Weißbrod/dpa Die Angeklagten im Stuttgarter "Reichsbürger"-Prozess sitzen hinter einer Panzerglaswand und können nur über Mikrofone mit ihren Verteidigern sprechen.
Bernd Weißbrod/dpa